Bier in Ungarn: Geschichte, Tradition und Brauereien
Ein Land des Weins mit einer langen Biergeschichte – und mit einem Brauch beim Anstossen, den es nur hier gibt.
Geschichte
Bier hat in Ungarn eine lange Geschichte: Das ungarische Wort „sör“ ist so alt, dass es wohl schon vor der Landnahme im 9. Jahrhundert entlehnt wurde. Lange blieb aber der Wein das wichtigste Getränk.
1848 gründete Leopold Hirschfeld in Pécs eine Brauerei, und 1854 eröffnete Peter Schmidt in Buda eine der ersten grossen Brauereien des Landes.
1862 kaufte Anton Dreher, der Erfinder des Wiener Lagers, eine Brauerei in Kőbánya, damals am Rand von Pest. Unter dem Quartier lagen kühle Keller eines alten Steinbruchs – ideal für untergäriges Bier. Vor dem Zweiten Weltkrieg beherrschte Dreher den ungarischen Biermarkt.
Nach dem Krieg wurden die Brauereien verstaatlicht; 1973 entstand in Bőcs die Brauerei Borsodi. Nach 1989 übernahmen internationale Konzerne die grossen Marken.
Seit den 2010er-Jahren gibt es eine lebendige Craft-Bier-Szene mit vielen kleinen Brauereien, Bierfestivals und Bars, besonders in Budapest.
Tradition und Trinkkultur
Viele Ungarn stossen mit Bier nicht an. Der Brauch geht auf eine Legende zurück: Österreichische Offiziere sollen 1849 nach der Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad mit Bier angestossen haben. Man schwor, 150 Jahre lang nicht mehr mit Bier anzustossen.
In Budapest sind die „Romkocsma“ beliebt, die Ruinenbars in alten Hinterhöfen und leerstehenden Häusern im jüdischen Viertel. Angestossen wird – mit Wein oder Pálinka – mit „Egészségedre!“, auf deine Gesundheit.
Fun Facts
- Die 150 Jahre des Schwurs wären 1999 abgelaufen – trotzdem stossen viele Ungarn bis heute nicht mit Bier an.
- Kőbánya heisst „Steinbruch“: Unter dem Budapester Stadtteil liegen kilometerlange Keller, in denen früher Bier lagerte.
- Anton Dreher war der Sohn des Brauers von Schwechat bei Wien und braute dort 1841 das erste Wiener Lager.
- Rund 90 % des in Ungarn getrunkenen Biers sind helle Lagerbiere, auf Ungarisch „világos“.
Typische Bierstile
- Lager (Világos)
- Dunkles Lager (Barna)
- Bock
- Craft-Bier aller Stile
Bierstädte und ihre Geschichten
Budapest
In Kőbánya kaufte Anton Dreher 1862 eine Brauerei; die Keller des alten Steinbruchs eigneten sich perfekt zum Lagern. Heute ist Budapest auch für seine Ruinenbars und Craft-Bier-Lokale bekannt.
Pécs
1848 gründete Leopold Hirschfeld hier eine Brauerei. Die Pécsi Sörfőzde ist eine der ältesten Brauereien Ungarns; ihr bekanntestes Bier ist das Szalon.
Sopron
Die Stadt an der österreichischen Grenze ist die Heimat des Soproni. Julius Lenck gründete die Brauerei 1895.
Bőcs
Im Nordosten des Landes braut seit 1973 die Brauerei Borsodi.
Brauereien und ihre Geschichten
Dreher
Anton Dreher übernahm 1862 die Brauerei in Kőbánya. Vor dem Zweiten Weltkrieg beherrschte Dreher den ungarischen Biermarkt.
Bekannt für: Dreher Classic, Arany Ászok
Pécsi Sörfőzde
Leopold Hirschfeld gründete die Brauerei. Bekannt ist sie für das Bier Szalon.
Bekannt für: Szalon
Soproni
Julius Lenck gründete die Brauerei; heute gehört sie zu Heineken.
Bekannt für: Soproni
Borsodi
Eine der grössten Brauereien des Landes, bekannt für helles Lager.
Bekannt für: Borsodi Világos
Zeitstrahl
- 1848Pécs
Leopold Hirschfeld gründet in Pécs eine Brauerei – heute die Heimat des Szalon.
- 1849ganzes Land
Nach der Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad sollen österreichische Offiziere mit Bier angestossen haben. Viele Ungarn stossen seither nicht mehr mit Bier an.
- 1854Budapest
Peter Schmidt eröffnet in Buda eine der ersten grossen Brauereien Ungarns.
- 1862Budapest
Anton Dreher kauft eine Brauerei in Kőbánya. Die Keller des alten Steinbruchs sind ideal zum Lagern.
- 1895Sopron
Julius Lenck gründet in Sopron die Brauerei des Soproni.
- 1973Bőcs
In Bőcs entsteht die Brauerei Borsodi.
- 2010erBudapest
Eine Craft-Bier-Szene entsteht; Ruinenbars und Bierfestivals prägen Budapest.