Bier in Frankreich: Geschichte, Tradition und Brauereien
Das Weinland hat eine starke Biertradition im Norden und im Elsass – und einen berühmten Bierforscher.
Geschichte
Schon die Gallier brauten Bier, die „cervoise“. Im Mittelalter wurde der heilige Arnulf von Metz zu einem Schutzpatron der Brauer: Der Legende nach riet er den Menschen, Bier statt Wasser zu trinken.
Im Elsass und im Norden an der Grenze zu Belgien wird seit Jahrhunderten Bier gebraut. Meteor in Hochfelden beruft sich auf das Jahr 1640, und 1664 gründete Jérôme Hatt in Strassburg die Brauerei, aus der Kronenbourg wurde. Bis heute stammt ein grosser Teil des französischen Biers aus dem Elsass.
Nach dem verlorenen Krieg von 1870/71 wollte Louis Pasteur, dass französisches Bier besser wird als das deutsche. Er erforschte die Gärung und zeigte 1876 in seinen „Études sur la bière“, wie Mikroorganismen Bier verderben. Biere nach seinem Verfahren sollten „bières de la revanche nationale“ heissen – Biere der nationalen Revanche.
Um 1900 gab es in Frankreich noch Tausende Brauereien, die meisten im Norden. Die beiden Weltkriege und viele Fusionen liessen nur wenige übrig.
Im Norden hielt die Brauerei Duyck in Jenlain die Bière de garde lebendig und half Ende der 1970er-Jahre, das Interesse an französischen Spezialbieren neu zu wecken. Heute gibt es in Frankreich über 2000 Brauereien.
Tradition und Trinkkultur
Im Café bestellt man „un demi“, ein Glas mit 25 Zentilitern, oder einen „panaché“, Bier mit Limonade. Im Norden und im Elsass ist der „Picon bière“ beliebt: Bier mit einem Schuss Amer Picon, einem bitteren Orangenlikör.
Das Wort „brasserie“ bedeutet ursprünglich einfach „Brauerei“. Viele Pariser Brasserien gründeten Elsässer, die nach 1871 nach Paris gezogen waren.
Fun Facts
- Pasteur besuchte 1871 die Londoner Brauerei Whitbread und entdeckte unter dem Mikroskop einen Schädling in der Hefe ihres Porters.
- Auf Korsika braut die Brasserie Pietra seit 1996 ein Bier mit Kastanienmehl.
- Die Zahl im Namen Kronenbourg 1664 ist das Gründungsjahr der Brauerei in Strassburg.
- „Bière de garde“ heisst „Bier zum Aufbewahren“: Es wurde in den kühlen Monaten gebraut und im Sommer getrunken.
- Als die Gebeine des heiligen Arnulf im 7. Jahrhundert nach Metz gebracht wurden, soll ein einziger Krug Bier für alle müden Träger gereicht haben.
Typische Bierstile
- Bière de garde
- Saison
- Bière de Noël
- Panaché
- Kastanienbier
- Blonde und Ambrée
Bierstädte und ihre Geschichten
Strassburg
Hier wurde 1664 die Brauerei gegründet, die heute Kronenbourg heisst. Den Namen hat sie vom Stadtteil Cronenbourg, in den sie im 19. Jahrhundert zog; heute braut sie in Obernai.
Hochfelden
Die Familienbrauerei Meteor beruft sich auf das Jahr 1640 und ist eine der ältesten unabhängigen Brauereien Frankreichs. Den Namen Meteor trägt sie seit 1925.
Jenlain
In dem Dorf nahe der belgischen Grenze braut die Familie Duyck seit 1922. Ihre Bière de garde wurde zum Vorbild des Stils.
Lille
Hauptstadt des Nordens, in dessen Bauernbrauereien die Bière de garde entstand: im Winter und Frühling gebraut und bis in den Sommer gelagert.
Chamalières
In der kleinen Brauerei Kuhn bei Clermont-Ferrand erprobte Louis Pasteur nach 1871 seine Ideen für reineres Bier.
Paris
Hier forschte Pasteur über die Gärung. Die Stadt der Brasserien hat heute auch wieder viele kleine Brauereien.
Furiani (Korsika)
Die Brasserie Pietra braut seit 1996 ein Bernsteinbier mit Kastanienmehl. Der Name stammt vom Heimatdorf des Gründers, Pietraserena.
Metz
Hier liegt der heilige Arnulf begraben, einer der Schutzpatrone der Brauer. Der Legende nach reichte ein einziger Krug Bier für alle, die seine Gebeine nach Metz trugen.
Brauereien und ihre Geschichten
Kronenbourg
Jérôme Hatt gründete die Brauerei in Strassburg. Das Bier „1664“ erinnert an das Gründungsjahr. Heute gehört Kronenbourg zur Carlsberg-Gruppe und ist eine der grössten Brauereien Frankreichs.
Bekannt für: Kronenbourg 1664, 1664 Blanc
Meteor
Familienbrauerei im Elsass, seit Generationen im Besitz der Familie Haag.
Bekannt für: Meteor Pils
Brasserie Duyck
Léon Duyck gründete die Brauerei. Ab den späten 1940er-Jahren füllte sie ihre Bière de garde in Flaschen ab und machte den Stil in ganz Frankreich bekannt.
Bekannt für: Jenlain Ambrée
Pietra
Korsische Brauerei, deren Bernsteinbier mit Kastanienmehl gebraut wird. Die Kastanien halten den Schaum stabil und geben dem Bier seine goldene Farbe.
Bekannt für: Pietra, Colomba
Zeitstrahl
- 7. Jh.Metz
Die Gebeine des heiligen Arnulf kommen nach Metz. Der Legende nach reicht ein einziger Krug Bier für alle Träger.
- 1640Hochfelden
Auf dieses Jahr beruft sich die Familienbrauerei in Hochfelden im Elsass, eine der ältesten unabhängigen Brauereien Frankreichs.
- 1664Strassburg
Jérôme Hatt gründet in Strassburg die Brauerei, die später Kronenbourg heisst. An das Jahr erinnert das Bier „1664“.
- 1871Chamalières
Louis Pasteur erprobt in der kleinen Brauerei Kuhn seine Ideen für reineres Bier.
- nach 1871Paris
Viele Elsässer ziehen nach Paris und eröffnen Brasserien. Das Wort bedeutet ursprünglich einfach „Brauerei“.
- 1876Paris
Pasteur veröffentlicht seine „Études sur la bière“ und zeigt, dass Mikroorganismen das Bier verderben.
- 19. Jh.Lille
In den Bauernbrauereien des Nordens entsteht die Bière de garde: im Winter gebraut und bis in den Sommer gelagert.
- 1922Jenlain
Léon Duyck gründet in Jenlain seine Brauerei. Ihre Bière de garde wird zum Vorbild des Stils.
- 1996Furiani (Korsika)
Auf Korsika braut die Brasserie Pietra ein Bernsteinbier mit Kastanienmehl.