Bier in der Schweiz: Geschichte, Tradition und Brauereien
Ein kleines Land mit vielen Brauereien: Gemessen an der Einwohnerzahl hat die Schweiz eine der höchsten Brauereidichten Europas.
Geschichte
Schon die Kelten brauten auf dem Gebiet der heutigen Schweiz Bier. Im Mittelalter war das Kloster St. Gallen ein Zentrum der Braukunst: Der berühmte Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert zeigt gleich drei Brauhäuser.
Lange war die Schweiz vor allem ein Land des Weins und des Mosts. Bier brauten im Mittelalter vor allem Klöster und einige Stadtbrauer. Erst im 19. Jahrhundert, mit deutschen Braumeistern, dem untergärigen Lagerbier und der Eisenbahn, wurde Bier zum Volksgetränk, und Ende des Jahrhunderts gab es mehrere hundert Brauereien im Land.
Im 19. Jahrhundert entstanden Hunderte Brauereien, darunter Feldschlösschen in Rheinfelden (1876). Ab 1935 legte ein Bierkartell Preise und Absatzgebiete fest. Neue Ideen hatten es schwer, und viele kleine Brauereien verschwanden. Nach dem Ende des Kartells Anfang der 1990er-Jahre begann ein Boom: 2000 waren 81 Brauereien registriert, heute sind es über 1000.
Seit 2000 hat sich die Zahl der Brauereien mehr als verzehnfacht. Die meisten sind sehr klein: Viele brauen nur einige hundert Liter im Jahr für sich, ihre Familie und Freunde. Die Schweiz gilt deshalb als eines der Länder mit der höchsten Brauereidichte der Welt.
Tradition und Trinkkultur
Im Restaurant bestellt man eine „Stange“ mit drei Dezilitern, in der Romandie „une pression“. Klassisch sind helle Lagerbiere, das „Lager“ und das etwas stärkere Spezialbier, kurz „Spez“.
Hobbybrauen hat eine grosse Tradition: Bis 400 Liter pro Jahr für den Eigengebrauch sind steuerfrei. Viele der heutigen Kleinbrauereien haben in der Küche oder im Keller angefangen.
Fun Facts
- Das Samichlaus-Bier aus Zürich galt einst als stärkstes Bier der Welt. Es wird jedes Jahr am 6. Dezember gebraut und reift zehn Monate.
- Feldschlösschen liefert sein Bier in der Altstadt von Rheinfelden bis heute mit Pferden aus. Im Schlossstall stehen acht belgische Kaltblüter, jeder rund 900 kg schwer.
- Die Brauerei Locher in Appenzell brennt auch Whisky: Der Säntis Malt reifte in alten Bierfässern aus Eichenholz.
- Der „Ueli“, nach dem das Basler Bier aus der Fischerstube heisst, ist der Narr der Basler Fasnacht.
- Ein „Panaché“ ist in der Schweiz Bier mit Zitronenlimonade – in Deutschland würde man Radler sagen.
- Hopfen wächst in der Schweiz nur noch an wenigen Orten, zum Beispiel im Stammertal im Zürcher Weinland. Den grössten Teil importieren die Brauereien.
Typische Bierstile
- Lager
- Spezialbier (Spez)
- Amber und Märzen
- Weizen
- Craft-Bier aller Stile
Bierstädte und ihre Geschichten
St. Gallen
Der Klosterplan aus der Zeit um 820 zeigt drei Brauhäuser: für die Mönche, für vornehme Gäste sowie für Pilger und Arme. Die Brauerei Schützengarten, gegründet 1779, gilt als älteste noch bestehende Brauerei der Schweiz.
Rheinfelden
Feldschlösschen wurde 1876 gegründet. Das Brauereigebäude aus Backstein sieht aus wie eine Burg, und die Brauerei ist heute die grösste der Schweiz.
Zürich
Hier brauten einst grosse Brauereien wie Hürlimann und Löwenbräu. Hürlimann entwickelte das Samichlaus-Bier. In den alten Gewölbekellern der Brauerei befindet sich heute ein Thermalbad, im Löwenbräu-Areal sind Kunstgalerien und Museen.
Basel
Der Arzt Hans Jakob Nidecker eröffnete 1974 die Fischerstube. Am 13. November 1974 floss dort das erste „Ueli Bier“ aus dem Zapfhahn – mitten in der Zeit des Bierkartells.
Appenzell
Die Brauerei Locher ist seit 1886 in den Händen der Familie Locher und mit ihrem Quöllfrisch und vielen Spezialbieren über die Region hinaus bekannt.
Chur
Die Calanda-Brauerei geht auf die 1902 gegründete Rhätische Aktienbrauerei zurück. Seit 1971 trägt sie den Namen des Calanda, des Hausbergs von Chur.
Saignelégier
In den Freibergen braut die Brasserie des Franches-Montagnes (BFM) seit 1997 eigenwillige, oft im Holzfass gereifte Biere, die international bekannt sind.
Luzern
In Luzern braut die Brauerei Eichhof seit 1834. Sie ist die grösste Brauerei der Zentralschweiz und gehört heute zu Heineken.
Stammheim
Im Stammertal im Zürcher Weinland wächst Schweizer Hopfen. Im Spätsommer prägen die hohen Hopfengerüste das Bild der Dörfer.
Brauereien und ihre Geschichten
Feldschlösschen
Mathias Wüthrich und Theophil Roniger gründeten die Brauerei auf einem Gutshof bei Rheinfelden. Das Brauhaus im Burgstil wurde zum Wahrzeichen, und Feldschlösschen wuchs zur grössten Brauerei der Schweiz. Heute gehört sie zur Carlsberg-Gruppe und braut auch Marken wie Cardinal.
Bekannt für: Original, Hopfenperle
Schützengarten
Die älteste noch bestehende Brauerei der Schweiz ist bis heute unabhängig und in der Ostschweiz tief verwurzelt.
Bekannt für: Lager Hell, Klosterbräu
Hürlimann
Gegründet in Feldbach am Zürichsee, später eine der grossen Zürcher Brauereien. Ihr Samichlaus-Bier wurde weltbekannt. 1996 ging Hürlimann in Feldschlösschen auf; das Samichlaus-Bier wird seit 2000 in Österreich gebraut.
Bekannt für: Hürlimann Lager
Locher
Familienbrauerei mit dem bekannten Quöllfrisch und vielen Spezialitäten.
Bekannt für: Appenzeller Quöllfrisch
Calanda
Hervorgegangen aus der Rhätischen Aktienbrauerei, heute Teil von Heineken.
Bekannt für: Calanda Lager
Fischerstube (Ueli Bier)
Eine der ersten Kleinbrauereien der Schweiz, gegründet mitten in der Zeit des Bierkartells.
Brasserie des Franches-Montagnes
Kleine Brauerei im Jura mit international beachteten, im Holzfass gereiften Bieren.
Bekannt für: Abbaye de Saint Bon-Chien, La Mandragore
Eichhof
Die grösste Brauerei der Zentralschweiz. Seit 2008 gehört Eichhof zu Heineken und braut weiterhin in Luzern.
Bekannt für: Eichhof Lager, Braugold, Klosterbräu
Zeitstrahl
- um 820St. Gallen
Der Klosterplan von St. Gallen zeichnet gleich drei Brauhäuser: für die Mönche, für vornehme Gäste sowie für Pilger und Arme.
- 1779St. Gallen
In St. Gallen entsteht die Brauerei Schützengarten – heute die älteste noch bestehende Brauerei der Schweiz und bis heute unabhängig.
- 1834Luzern
In Luzern wird die Brauerei Eichhof gegründet, heute die grösste der Zentralschweiz.
- 1836Zürich
In Feldbach am Zürichsee wird Hürlimann gegründet. Später wird sie eine der grossen Brauereien der Stadt Zürich.
- 1876Rheinfelden
Mathias Wüthrich und Theophil Roniger gründen Feldschlösschen. Das Brauhaus im Burgstil wird zum Wahrzeichen von Rheinfelden.
- 1886Appenzell
Die Familie Locher übernimmt die Brauerei in Appenzell. Ihr Quöllfrisch wird später weit über die Region hinaus bekannt.
- 1902Chur
In Chur entsteht die Rhätische Aktienbrauerei. Später wird sie nach dem Hausberg der Stadt benannt: Calanda.
- 1935ganzes Land
Ein Bierkartell legt Preise und Absatzgebiete fest. Bis Anfang der 1990er-Jahre haben es neue Brauereien schwer.
- 1974Basel
In der Basler Fischerstube fliesst das erste Ueli Bier aus dem Zapfhahn – mitten in der Zeit des Kartells.
- 1996Zürich
Hürlimann geht in Feldschlösschen auf. In den alten Gewölbekellern der Zürcher Brauerei badet man heute in einem Thermalbad.
- 1997Saignelégier
In den Freibergen entsteht die Brasserie des Franches-Montagnes. Ihre im Holzfass gereiften Biere werden international bekannt.
- heuteganzes Land
In der Schweiz sind über 1000 Brauereien registriert. Im Jahr 2000 waren es erst 81.