Bier in Island: Geschichte, Tradition und Brauereien
In Island war starkes Bier 74 Jahre lang verboten – heute hat das Land eine junge, lebendige Bierszene.
Geschichte
Schon die Wikinger, die Island ab dem 9. Jahrhundert besiedelten, tranken Bier. 1908 stimmten die Isländer für ein völliges Alkoholverbot, das am 1. Januar 1915 in Kraft trat.
Schon 1921 wurde das Verbot gelockert, wegen eines Handelsstreits mit Spanien und Portugal, die Island ihren Wein verkaufen wollten. 1933 stimmte eine Mehrheit dafür, das Verbot ganz aufzuheben – nur Bier mit mehr als 2,25 % Alkohol blieb verboten.
Im Mai 1988 beschloss das Parlament, starkes Bier wieder zu erlauben. Am 1. März 1989 war es so weit; seither feiern die Isländer diesen Tag als „Bjórdagur“, den Tag des Biers.
Seit 1989 ist eine lebendige Bierszene entstanden. Kleine Brauereien wie Kaldi, Einstök und Borg brauen nicht nur Lagerbiere, sondern auch Saisonbiere zu Weihnachten, Ostern und zum Mittwinterfest Þorrablót.
Tradition und Trinkkultur
Im Advent kommen die Weihnachtsbiere, die „Jólabjór“, in den Handel. Bier mit mehr als 2,25 % Alkohol verkaufen fast nur die staatlichen Vínbúðin-Läden. Angestossen wird mit „Skál!“.
Fun Facts
- Weil starkes Bier verboten war, mischten Bars in den 1980er-Jahren Leichtbier mit Schnaps zum „Bjórlíki“, einem Bierersatz – bis auch das verboten wurde.
- Im Norden betreibt die Brauerei Kaldi in Árskógssandur ein Bierbad: Man badet in Holzwannen mit Jungbier, Hopfen und Hefe.
- Die grösste Brauerei Islands, Ölgerðin Egill Skallagrímsson, ist nach einem Wikinger-Dichter aus den Sagas benannt.
- Zum Mittwinterfest Þorrablót gibt es eigene Saisonbiere, das „Þorrabjór“ – passend zu fermentiertem Hai und anderen alten Speisen.
- Starkes Bier war in Island fast 75 Jahre lang verboten, von 1915 bis 1989.
Typische Bierstile
Bierstädte und ihre Geschichten
Reykjavík
Am 1. März 1989 feierte die ganze Stadt das erste legale Bier seit 74 Jahren. Hier sitzt auch die Brauerei Ölgerðin Egill Skallagrímsson, gegründet 1913.
Akureyri
Die Stadt knapp unterhalb des Polarkreises ist Heimat der Brauerei Einstök, deren Biere in viele Länder exportiert werden.
Árskógssandur
Die kleine Familienbrauerei Kaldi braut hier seit 2006 und betreibt ein Bierbad.
Brauereien und ihre Geschichten
Ölgerðin Egill Skallagrímsson
Benannt nach Egill Skallagrímsson, einem Wikinger und Dichter aus den isländischen Sagas. Die Brauerei überstand das Bierverbot mit Leichtbier und alkoholfreien Getränken.
Bekannt für: Egils Gull
Kaldi
Familienbrauerei im Norden mit eigenem Bierbad.
Bekannt für: Kaldi Ljós, Kaldi Dökkur
Einstök
Braut knapp unterhalb des Polarkreises und exportiert in viele Länder.
Bekannt für: Icelandic White Ale, Toasted Porter
Zeitstrahl
- 9. Jh.ganzes Land
Die Wikinger besiedeln Island – und trinken Bier.
- 1913Reykjavík
In Reykjavík wird Ölgerðin Egill Skallagrímsson gegründet, benannt nach einem Wikinger und Dichter aus den Sagas.
- 1915ganzes Land
Am 1. Januar tritt ein völliges Alkoholverbot in Kraft. Starkes Bier bleibt bis 1989 verboten.
- 1989Reykjavík
Am 1. März ist starkes Bier wieder erlaubt. Seither feiern die Isländer den Bjórdagur, den Tag des Biers.
- 2006Árskógssandur
Die Familienbrauerei Kaldi beginnt in Árskógssandur zu brauen.
- 2010Akureyri
In Akureyri, knapp unterhalb des Polarkreises, entsteht Einstök. Seine Biere gehen in viele Länder.
- 2017Árskógssandur
Kaldi eröffnet ein Bierbad: Man badet in Holzwannen mit Jungbier, Hopfen und Hefe.