Bier in Estland: Geschichte, Tradition und Brauereien
Zwei Traditionsbrauereien, Hausbier von den Inseln und eine der spannendsten Craft-Szenen Nordeuropas.
Geschichte
1284 wird Bier im heutigen Estland zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Auf den Höfen, vor allem auf den westlichen Inseln wie Saaremaa, braute man über Jahrhunderte das „koduõlu“, das Hausbier.
1820 entstand bei Tallinn die Brauerei Saku. In Tartu reicht die Brautradition der heutigen Brauerei A. Le Coq bis 1800 zurück. Ab 1913 hiess sie nach der Londoner Firma A. Le Coq, die Imperial Stout nach Russland verkaufte – und diesen nun in Tartu brauen liess.
In der Sowjetzeit hiess die Brauerei in Tartu schlicht „Tartu Õlletehas“, Brauerei Tartu. Nach der Unabhängigkeit wurden die Brauereien privatisiert; 1997 kaufte die finnische Olvi die Brauerei in Tartu, die seither wieder A. Le Coq heisst.
Seit den 2010er-Jahren boomt das Craft-Bier: 2013 gründeten die kleinen Brauereien einen eigenen Verband, und 2017 gab es in dem Land mit nur 1,3 Millionen Menschen schon fast 30 Kleinbrauereien. Põhjala aus Tallinn ist heute international bekannt.
Tradition und Trinkkultur
Das traditionelle „koduõlu“ wird mit Wacholder und Gagel gewürzt. Die Würze wird nicht gekocht, und das Bier hat nur seine natürliche Kohlensäure.
Bier bestellt man oft einfach nach Farbe: „hele“ heisst hell, „tume“ dunkel. Zum Johannistag Ende Juni gehören Feuer, Grillfleisch und Bier. Angestossen wird mit „Terviseks!“.
Fun Facts
- Viele Finnen fahren mit der Fähre nach Tallinn, um dort günstiger Bier einzukaufen.
- Die Hofbrauerei Pihtla auf Saaremaa beschreibt ihr Inselbier selbst als „trüb, hefig und unberechenbar“.
- Sowohl Saku als auch A. Le Coq betreiben eigene Biermuseen.
- Kleine Brauereien, die weniger als 300 000 Liter im Jahr brauen, zahlen in Estland nur die halbe Biersteuer.
Typische Bierstile
- Koduõlu (Hausbier)
- Lager (Hele)
- Porter
- Craft-Bier aller Stile
Bierstädte und ihre Geschichten
Tallinn
In der Hauptstadt braut Põhjala, eine der bekanntesten Craft-Brauereien Nordeuropas. Seit 2015 lädt sie jedes Jahr zum Tallinn Craft Beer Weekend ein.
Saku
In dem Ort südlich von Tallinn wird seit 1820 Bier gebraut. Saku ist heute die grösste Brauerei Estlands.
Tartu
In der Universitätsstadt braut A. Le Coq. Hier wurde früher Imperial Stout für den russischen Markt gebraut.
Saaremaa
Auf der grössten Insel Estlands wird noch heute Hausbier mit Wacholder gebraut, etwa in der Hofbrauerei Pihtla.
Brauereien und ihre Geschichten
Saku
Gegründet auf dem Gut Saku bei Tallinn. Heute gehört die Brauerei zu Carlsberg.
Bekannt für: Saku Originaal
A. Le Coq
Die Brauerei geht auf das Jahr 1800 zurück und heisst seit 1913 nach der Londoner Firma A. Le Coq. Seit 1997 gehört sie zur finnischen Olvi.
Bekannt für: A. Le Coq Premium
Pihtla
Hofbrauerei auf Saaremaa, die traditionelles Inselbier braut.
Põhjala
Eine der bekanntesten Craft-Brauereien Nordeuropas, berühmt für kräftige Stouts und Porter.
Bekannt für: Öö (Baltic Porter)
Zeitstrahl
- 1284ganzes Land
Bier wird im heutigen Estland zum ersten Mal schriftlich erwähnt.
- 1800Tartu
In Tartu entsteht die Brauerei, aus der später A. Le Coq wird.
- 1820Saku
Auf dem Gut Saku bei Tallinn wird eine Brauerei gegründet.
- 1907Saaremaa
Auf Saaremaa entsteht die Hofbrauerei Pihtla, die bis heute Inselbier braut.
- 1913Tartu
Die Brauerei in Tartu heisst nun A. Le Coq und braut Imperial Stout für Russland.
- 1997Tartu
Die finnische Olvi kauft die Brauerei in Tartu, die wieder A. Le Coq heisst.
- 2015Tallinn
Põhjala lädt zum ersten Tallinn Craft Beer Weekend.