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Bier in Polen: Geschichte, Tradition und Brauereien

Polen gehört zu den grössten Bierproduzenten Europas: 2023 lag das Land in der EU auf Platz drei, hinter Deutschland und Spanien.

Geschichte

Im Mittelalter brauten fast alle Städte ihr eigenes Bier. Das dunkle, starke Bier aus Schweidnitz (Świdnica) war so berühmt, dass Gaststätten in Breslau, Krakau und Thorn nach ihm „Schweidnitzer Keller“ hiessen. Aus Danzig verschiffte man ab dem 16. Jahrhundert das schwere, fast schwarze Jopenbier bis in die Niederlande.

Bier gehörte in Polen zum Alltag, sogar zum Frühstück: Die „polewka piwna“, eine warme Biersuppe mit Ei und Gewürzen, war bis ins 18. Jahrhundert ein beliebtes Morgenessen – bevor der Kaffee kam.

Im 19. Jahrhundert entstanden grosse Brauereien wie Okocim (1845) und Żywiec (1856); in Tychy wird sogar schon seit 1629 gebraut. Nach 1989 übernahmen internationale Konzerne die grossen Marken.

Seit 2011 erlebt Polen eine Craft-Bier-Revolution. Als Startschuss gilt das IPA „Atak Chmielu“ („Hopfenangriff“) der Brauerei Pinta. Auch alte Stile wie das Grodziskie wurden wiederbelebt.

Polen ist heute einer der grössten Bierproduzenten Europas. Rund um Lublin im Osten wächst der grösste Teil des polnischen Hopfens.

Tradition und Trinkkultur

Beliebt ist Bier mit Himbeer- oder Ingwersirup, das „piwo z sokiem“, und im Winter trinkt man „grzaniec“, heisses Bier mit Gewürzen und Honig. Angestossen wird mit „Na zdrowie!“ – auf die Gesundheit.

Starke, dunkle Porter haben in Polen eine lange Tradition. Sie heissen schlicht „Porter“ und haben oft 8 bis 10 % Alkohol.

Fun Facts

  • Die Brauerei in Tychy wurde 1629 gegründet, im Geburtsjahr von König Johann III. Sobieski. Daran erinnert die Krone auf dem Etikett von Tyskie.
  • Auf dem Etikett von Żywiec tanzt ein Paar den Krakowiak, einen Volkstanz aus der Gegend von Krakau.
  • Die Brauerei Żywiec gehörte bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Kaiserfamilie Habsburg.
  • Das Grodziskie, ein leichtes Rauchbier aus Weizenmalz, wurde früher „polnischer Champagner“ genannt, weil es so stark perlt.
  • Seit 2016 feiern Bierfreunde am dritten Samstag im Januar den Tag des Baltic Porters – eine Idee aus Polen.

Typische Bierstile

Bierstädte und ihre Geschichten

Grodzisk Wielkopolski

Heimat des Grodziskie, eines leichten Weizenbiers aus Eichenrauchmalz. Regeln für sein Brauen gab es schon 1601. 1994 schloss die Brauerei, seit 2015 wird hier wieder Grodziskie gebraut.

Breslau (Wrocław)

Im Keller des Rathauses liegt die Piwnica Świdnicka, der Schweidnitzer Keller, seit 1273 eine Gaststätte. Sie ist nach dem dunklen, starken Bier aus Schweidnitz benannt, das hier im Mittelalter ausgeschenkt wurde.

Danzig (Gdańsk)

Die Hansestadt war berühmt für ihr Jopenbier: so schwer und dunkel, dass es am Ende eher als Medizin galt. Gebraut wurde es bis zum Ersten Weltkrieg.

Żywiec

Die Brauerei wurde 1856 gegründet, als die Stadt zu Österreich gehörte, und war bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Besitz der Habsburger.

Tychy

Seit 1629 wird hier ohne Unterbruch gebraut. Auf dem Brauereigelände zeigt das Tyskie-Brauereimuseum seit 2004 die Geschichte des Biers.

Brzesko

Der württembergische Brauer Johann Evangelist Götz gründete hier 1845 die Brauerei Okocim. Um 1900 war sie die grösste Brauerei im Gebiet des früheren Polen-Litauen.

Lublin

Rund um die Stadt im Osten Polens liegt das wichtigste Hopfenanbaugebiet des Landes. Der Lublin-Hopfen ist ein feiner Aromahopfen.

Bierstädte der Welt

Brauereien und ihre Geschichten

Tyskie

Tychy · seit 1629

Die Brauerei gehörte zuerst der Adelsfamilie Promnitz, später den Fürsten von Pless, und hiess „Fürstliche Brauerei in Tichau“. Tyskie ist eine der meistgetrunkenen Biermarken Polens und gehört heute zu Asahi.

Bekannt für: Tyskie Gronie

Żywiec

Żywiec · seit 1856

Einst die Brauerei der Habsburger, heute im Besitz von Heineken. Bekannt sind das helle Lager und das Etikett mit dem tanzenden Paar.

Bekannt für: Żywiec, Żywiec Porter

Okocim

Brzesko · seit 1845

Gegründet von Johann Evangelist Götz; der erste Sud wurde am 23. Februar 1846 gebraut. Seit 1996 gehört Okocim zu Carlsberg.

Bekannt für: Okocim, Okocim Porter

Browar Grodzisk

Grodzisk Wielkopolski · seit 2015

Braut das Grodziskie wieder in der Stadt, die dem Stil den Namen gab.

Bekannt für: Piwo z Grodziska

Pinta

seit 2011

Mit dem IPA „Atak Chmielu“ löste Pinta die polnische Craft-Bier-Revolution aus.

Bekannt für: Atak Chmielu

Zeitstrahl

  1. 1273Breslau (Wrocław)

    Im Keller des Breslauer Rathauses wird ausgeschenkt. Die Piwnica Świdnicka gilt als eine der ältesten Gaststätten Europas.

  2. 16. Jh.Danzig (Gdańsk)

    Aus Danzig wird das schwere, fast schwarze Jopenbier bis in die Niederlande verschifft.

  3. 1601Grodzisk Wielkopolski

    In Grodzisk gibt es schon Regeln für das Brauen des Grodziskie, eines leichten Weizenbiers aus Eichenrauchmalz.

  4. 1629Tychy

    In Tychy beginnt eine Brauerei zu brauen – ohne Unterbruch bis heute. Daraus wird Tyskie, heute eines der meistgetrunkenen Biere Polens.

  5. 1845Brzesko

    Der württembergische Brauer Johann Evangelist Götz gründet in Brzesko die Brauerei Okocim.

  6. 1856Żywiec

    In Żywiec entsteht eine Brauerei, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Kaiserfamilie Habsburg gehört.

  7. 2011ganzes Land

    Das IPA „Atak Chmielu“ der Brauerei Pinta löst die polnische Craft-Bier-Revolution aus.

  8. 2015Grodzisk Wielkopolski

    Nach über zwanzig Jahren wird in Grodzisk wieder Grodziskie gebraut.

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