Bier in Kolumbien: Geschichte, Tradition und Brauereien
Ein deutscher Brauer, dem man bis heute Wünsche ins Ohr flüstert, und ein uraltes Maisbier, das nach einem Aufstand fast verschwunden wäre.
Geschichte
Lange bevor die Spanier kamen, tranken die Muisca im Hochland um Bogotá Chicha: ein Bier aus gekeimtem Mais, trüb und leicht säuerlich. Chicha gehörte zu Festen, Arbeit und Ritualen. Auch nach der Eroberung blieb sie das Getränk des Volkes – in Bogotá gab es noch um 1900 Hunderte Chicherías.
Bogotá, 1889. Der deutsche Einwanderer Leo Siegfried Kopp gründet eine Brauerei und nennt sie nach seiner Heimat: Bavaria. Kopp braut Lagerbier nach deutscher Art und wird damit reich. Für seine Arbeiter lässt er ein eigenes Quartier bauen, La Perseverancia, die Beharrlichkeit.
Auf dem Zentralfriedhof von Bogotá steht bis heute eine Statue von Leo Kopp, sitzend, nachdenklich. Viele Menschen flüstern ihr ihre Wünsche ins Ohr – um Arbeit, Gesundheit oder Glück. Der Bierbrauer ist so zu einer Art Volksheiligem geworden.
Für die Brauerei war die Chicha die grosse Konkurrenz. Bierwerbung zeigte sie als schmutzig und gefährlich. Am 9. April 1948 wurde der Politiker Jorge Eliécer Gaitán in Bogotá erschossen, und die Stadt versank in Unruhen, dem „Bogotazo“. Die Regierung machte auch die Chicha für die Gewalt mitverantwortlich und schränkte ihre Herstellung stark ein. Danach eroberte das Bier das Land.
Bavaria wuchs zum grössten Brauereikonzern Kolumbiens, mit Marken wie Águila, Club Colombia und Poker. 2005 kaufte der Konzern SABMiller die Brauerei für mehrere Milliarden Dollar. Seit 2016 gehört sie zu AB InBev.
Die Chicha aber ist nicht verschwunden. Im Quartier La Perseverancia, das Leo Kopp einst für seine Bierbrauer baute, feiert man jedes Jahr ein Chicha-Festival. Und eine junge Craft-Bier-Szene, angeführt von der Bogotá Beer Company, braut heute Biere mit Kaffee, Panela und tropischen Früchten.
Tradition und Trinkkultur
Bier trinkt man in Kolumbien eiskalt, oft in der kleinen Flasche, in der „Tienda“ an der Ecke oder in der Bar. In vielen Gegenden hat jede Region ihr Lieblingsbier: Águila an der Karibikküste, Poker im Hochland.
Beliebt ist „Refajo“, eine Mischung aus Bier und süsser roter Limonade, vor allem zum Grillieren am Wochenende. Angestossen wird mit „¡Salud!“.
Fun Facts
- Viele Menschen flüstern der Statue von Leo Kopp auf dem Zentralfriedhof von Bogotá ihre Wünsche ins Ohr.
- Leo Kopp liess für seine Arbeiter das Quartier La Perseverancia bauen – heute feiert man dort ein Chicha-Festival.
- Nach den Unruhen des „Bogotazo“ 1948 wurde die Herstellung von Chicha stark eingeschränkt.
- Refajo ist eine Mischung aus Bier und roter Limonade.
Typische Bierstile
Bierstädte und ihre Geschichten
Bogotá
Hier gründete Leo Kopp 1889 die Brauerei Bavaria und baute für seine Arbeiter das Quartier La Perseverancia. Die Hauptstadt ist auch das Zentrum der kolumbianischen Craft-Bier-Szene.
Barranquilla
In der heissen Hafenstadt an der Karibikküste ist Águila zu Hause, das Bier des Karnevals von Barranquilla, eines der grössten Feste Südamerikas.
Brauereien und ihre Geschichten
Bavaria
Gegründet vom deutschen Einwanderer Leo Siegfried Kopp. 2005 von SABMiller gekauft, seit 2016 Teil von AB InBev.
Bekannt für: Club Colombia
Bogotá Beer Company
Eine der ersten Craft-Brauereien Kolumbiens, mit Pubs in vielen Quartieren der Stadt.
Bekannt für: Monserrate Roja
Zeitstrahl
- 1889Bogotá
Leo Siegfried Kopp gründet in Bogotá die Brauerei Bavaria.
- 1948Bogotá
Nach den Unruhen des „Bogotazo“ wird die Herstellung von Chicha stark eingeschränkt.
- 2002Bogotá
Die Bogotá Beer Company öffnet – Kolumbien bekommt Craft-Bier.
- 2005ganzes Land
SABMiller kauft Bavaria.
- 2016ganzes Land
Bavaria wird Teil von AB InBev.